Charlotte Angas Scott - Mathematikerin Drucken E-Mail

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Charlotte Angas Scott wurde am 8. Juni 1858 in Lincoln (England) geboren. Schon seit ihrer frühen Kindheit hatte Scott nicht gut gehört, sehr wahrscheinlich war sie hochgradig schwerhörig. Ihr Hörvermögen verschlechterte sich während ihrer Jahre im College.
In ihrer Kindheit bekam Scott Privatunterricht, was ihr ermöglichte, später das Girton College zu besuchen. Sie zeichnete sich besonders in Mathematik aus

und nahm 1880 an den Tripos Mathematik-Prüfungen teil. Ihr Ergebnis war so gut, wie das des achtbesten Mannes, was damals eine Sensation darstellte. Dass eine Frau ein typisch „männliches“ Fach meisterte, stellte die Tradition infrage, einer Frau einen Hochschulabschluss zu verweigern. Charlotte Scotts Erfolg entfachte öffentlichen Druck auf die Universität Cambridge, alle Universitätsprüfungen grundsätzlich für Frauen zu öffnen. Es dauerte aber bis 1948 damit Cambridge endlich einer Frau einen Universitätsabschluss zuerkannte.
Dies hielt sie jedoch nicht von einem Studium ab. In Arthur Cayley hatte sie einen guten Mentor. Sie errang einen Bachelorabschluss als „Externe“ im Jahr 1882 und arbeitete sich hoch bis zu ihrem Doktorabschluss 1885, beide an der Universität London. Auf Empfehlung von Cayley bewarb sich Scott als außerordentliche Professorin am Bryn Mawr College in den USA. An diesem College wurde sie nicht nur erste Dekanin der mathematischen Abteilung, sie war auch die einzige Frau mit einem Doktortitel in Mathematik.
Obwohl sich ihr Hörvermögen zunehmend verschlechterte, wurde Scotts Klasse immer größer und sie eine beliebte und respektierte Professorin. Sie war sehr fortschrittlich und ihrer Zeit voraus: Drei ihrer Studentinnen erlangten vor 1900 Doktortitel in Mathematik.
1891 half Scott bei der Organisation der Amerikanischen Mathematischen Gesellschaft (AMS) und war dort 7 Jahre im Vorstand, davon 2 Jahre als Vizepräsidentin. Als die AMS ihr 50jähriges Jubiläum feierte, wurden 30 Personen geehrt, darunter eine einzige Frau: Scott.
1899 wurde Scott Mitherausgeberin des American Journal of Mathematics und blieb 27 Jahre in dieser Position. Darüber hinaus veröffentlichte sie zahlreiche Artikel. Ihr Buch „An Introductory Account of Certain Modern Ideas and Methods in Plane Analytical Geometry“ (1894) wurde 30 Jahre später neu aufgelegt und besonders für seine Unterscheidung zwischen einem allgemeinen Beweis und einem  konkreten Beispiel gelobt.
Scott ertaubte zur Jahrhundertwende vollständig, aber sie unterrichtete weiter. Sie trainierte Oberstufenstudenten, die Fragen von Unterstufenstudenten zu beantworten. Bei Schwierigkeiten waren ihre Schützlinge darin geübt, mit Scott zu kommunizieren. Die Fakultät von Bryn Mawr gewährte ihr eine Summe von 600 $ für einen „Lippenleser“, der sie bei der Kommunikation im Unterricht unterstützte.
1901 führten Scotts Bemühungen zur Bildung einer Kommission des Colleges für Aufnahmeprüfungen. Sie selbst war Hauptprüferin für Mathematik in den Jahren 1902 und 1903. Mit Ende ihrer beruflichen Laufbahn kehrte Scott nach England zurück, wo sie 1931 starb.

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