Dr. Otto Friedrich Kruse - Pädagoge Drucken

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Dr. Otto Friedrich Kruse wurde am 29. März 1801 in Altona, jetzt Stadtteil von Hamburg, geboren. Er besuchte zunächst die dortige Grundschule, bevor er 1807 durch eine Scharlacherkrankung sein Gehör verlor. Daher wechselte er 1808 auf das „Königliche Taubstummen-Institut“ in Kiel. Dort erwarb er von Schülern und Lehrern die Gebärdensprache. Er wurde nach der kombinierten Methode unterrichtet (Gebärdensprache und Lautsprache in geschriebener und gesprochener Form).

Ab 1815 wurde Kruse als „Repetiteur“ für die jüngeren Schüler eingesetzt. Sein Lehrer und der Schuldirektor setzten sich für die Einstellung von Kruse als Hilfslehrer ein. Kruse musste daraufhin sechs Jahre lang autodidaktisch Pädagogik studieren, weil er wegen seiner Taubheit vom Besuch des Schullehrerseminars ausgeschlossen wurde. 1817 wurde er schließlich Lehrer an der Gehörlosenschule in Schleswig. Nach weiteren Erfahrungen im Privatunterricht Gehörloser wurde Kruse 1829 Gehörlosenlehrer in Bremen.

Bei einer öffentlichen Schulprüfung präsentierte er das Lied „Dankgebet der Taubstummen“ nach dem Markus-Evangelium in Gebärdensprache. Dieses führte er später ebenfalls vor dem dänischen König und der Schleswiger Ständeversammlung auf.

1832 veröffentlichte er sein Buch „Der Taubstumme im uncultivierten Zustande, nebst Anhang von merkwürdigen Taubstummen. Zum Besten der Bremer Taubstummenanstalt“.
Kruse sammelte in den folgenden Jahren weiterhin Material zur Gehörlosenbildung und besuchte 27 Gehörlosenschulen in verschiedenen Ländern. Dabei führte er ein Tagebuch, das teilweise im Buch „Über Taubstumme, Taubstummen-Bildung und Taubstummen-Institute, nebst Notizen aus meinem Reisetagebuche“ von 1853 veröffentlicht wurde.

Ab 1855 meldete sich Kruse in der Zeitschrift für Gehörlosenlehrer „Organ der Taubstummen- und Blindenanstalten in Deutschland und den deutschredenden Nachbarländern“ mehrfach zu Wort: Er trat für die Unterrichtung Gehörloser nach der kombinierten Methode ein, d.h. für einen Unterricht in Gebärdensprache und Lautsprache. Seine Erkenntnisse erörterte er 1869 im Buch „Zur Vermittlung der Extreme in der sogenannten deutschen und französischen Taubstummen-Unterrichts-Methode. Ein Versuch zur Vereinigung beider“.

Zwischen 1867 und 1870 gab es heftige Kontroversen zwischen Kruse und den Vertretern der rein-oralen Methode. Kruse erwies sich als hartnäckiger Widerstreiter des Oralismus. Trotzdem konnte er nicht verhindern, dass auf dem Mailänder Kongress der Gehörlosenlehrer 1880 in Mailand für die rein orale Methode und die damit verbundene Unterdrückung der Gebärdensprache gestimmt wurde.

Kruse hat 15 Bücher und viele Artikel zur Gehörlosenpädagogik und Schulpädagogik verfasst und teils auf eigene Kosten verlegt.

(Quelle: Kultur und Geschichte Gehörloser e.V.)

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