Gehörlos und schwanger? Drucken E-Mail

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dgs_button_gruen_transparent.pngFür gehörlose Männer und Frauen ist es genauso selbstverständlich wie für hörende, dass sie Eltern werden möchten. Für die uninformierte Öffentlichkeit war und ist dies jedoch nicht so selbstverständlich. 

 

gehoerlosundschwanger03 In einer Studie zur Situation gehörloser Frauen in Deutschland aus dem Jahre 1995 wurde deutlich, dass werdende gehörlose Mütter mit vielen Vorurteilen konfrontiert waren. Auch wenn sich die Situation für Gehörlose seit 1995 insgesamt verbessert hat, so werden sie von einem Großteil der nichtbehinderten Bevölkerung als abhängig und unselbständig gesehen, weil immer noch das Vorurteil gilt, dass Gehörlose aufgrund ihrer Kommunikationsprobleme nicht so leistungsfähig sind, wie hörende nichtbehinderte Menschen.

 

 

dgs_button_gruen_transparent.pngWie in der o.g. Studie von 1995 steht, erwartet man geradezu, dass sie darauf verzichten, weil zum einen die Behinderung vererbt werden könnte, was in den Augen von Nichtbehinderten verantwortungslos erscheint. Zum anderen weil bei einem hörenden Kind angenommen wird, dass es aufgrund der Kommunikationsprobleme der Eltern nicht vernünftig erzogen werden kann und dieses Kind dann große Nachteile erfährt. Bekommen gehörlose Frauen dennoch Kinder, so besteht vielfach das Vorurteil, sie könnten dem Kind keine gute Mutter sein und würden die Kinder nur als Hilfskräfte zur Kompensation ihrer Behinderung nutzen.

dgs_button_gruen_transparent.png Gehörlose Mütter geraten laut der Studie (1995) durch diese Vorurteile unter Druck. Sie müssen ständig beweisen, dass sie als behinderte Mutter trotzdem ihre Kinder gut erziehen und für sie sorgen können. Sie haben Angst negativ aufzufallen und dass das Jugendamt auf sie aufmerksam werden könnte. Deshalb halten sie sich zurück. Sie verzichten auf zusätzliche Unterstützung und fordern selten ein, dass mehr Rücksicht auf ihre Bedürfnisse genommen wird. Sie wollen das Vorurteil, dass sie der Gesellschaft zur Last fallen, nicht noch stärker bedienen als ohnehin. Das ist jedoch kontraproduktiv. Es führt dazu, dass gehörlose Eltern tatsächlich keine zusätzliche Unterstützung in der Kindererziehung bekommen und dass dort wo Hilfe sinnvoll wäre, keine Hilfe angeboten wird.

dgs_button_gruen_transparent.pngObschon die Situation für gehörlose Mütter sich durch das Behindertengleichstellungsgesetz des Bundes (BGG) vom 27.04.2002 (vgl. § 6 Abs. 1 und 2 BGG) enorm verbessert hat und durch den Dolmetscheranspruch, Schwangerschaft und Geburt nicht mehr in dem Maße frustrierend, beängstigend und entwürdigend sind, wie noch in der Studie von 1995 dargestellt, so  ist die Situation noch nicht optimal.

 
dgs_button_gruen_transparent.png Zwar gibt es einige gesetzliche Nachteilsausgleiche, aber viele dieser gesetzlichen Nachteilsausgleiche sind an die Erwerbstätigkeit gekoppelt, d.h. gehörlose Mütter und Väter, die nicht im Erwerbsleben stehen, sind von diesen Leistungen ausgeschlossen. Da die Chancen von gehörlosen Müttern, auch mit Kind berufstätig zu sein, indem sie z.B. eine (Teilzeit-) Arbeitsstelle finden, sehr gering sind, haben diese nicht nur finanziell schlechtere Ausgangsbedingungen als viele andere Familien sondern zusätzlich den Nachteil, dass sie notwendige Alltagshilfen nicht beantragen können.